Cogito ergo app

Am Mittwoch hatte ich die Gelegenheit, auf dem Hessischen Tourismustag in Stadtallendorf als Gast teilzunehmen. Über 100 Profis aus der örtlichen Touristik und von Touristikverbänden in Hessen wurden hier auf neue Trends eingeschworen.

Einer dieser Trends sei das Tourismusmarketing im Web 2.0. Vorgestellt wurden die aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten von den Profis der Frankfurter Rundschau - das sind die, die seit 1945 Zeitungen drucken und im 21. Jahrhundert mehrheitlich damit beschäftugt sind, zu überleben. Die Profis der FR brachten denn auch gleich viel Licht ins Tourismarketing im Web 2.0.

Dass Web 2.0 sei eigentlich schon ein Web 2.5, Google und Suchmaschinen was von gestern, heute sei jeder ausschließlich damit beschäftigt, seinen Facebook-Account auf dem iPad zu nutzen. Deshalb sei es sehr wichtig, schnell die FR damit zu beauftragen, für die vielen Touristiker kleine Apps zu entwickeln, die dann Touristen in Scharen in die entlegensten Winkel Hessens locken.

Ein Touristiker brachte den Einwand, dass man als öffentliche Institution aufgrund einer klaren Weisung des Datenschutzbeauftragten keinerlei Facebook-Anbindung realisieren dürfe. Solche Nebensächlichkeiten blieben allerdings unkommentiert und ungelöst.

Auch die berechtigte Frage, was eine App denn leisten können sollte, damit sie unter den 1 Mio. anderen Apps auffällt, musste nicht thematisiert werden, denn: Cogito ergo app, was soviel heisst wie ich weiss und deshalb bin ich eine App.

Ich verließ diesen informativen Vortrag frühzeitig, um mich der Frage zu stellen, ob man heute im Sinne eines stillen Protests nicht lieber ein Buch drucken sollte, denn eine Webseite zu betreiben. Schön ist aber, dass in all der Euphorie die Touristiker offensichtlich einen kühlen Kopf bewahren und Social Media (schon dieser Begriff ist hanebüchen!) als ein Instrument von vielen sehen, um mit Interessenten tatsächlichen Gästen in Dialog zu treten - und das zu vernünftigen Kosten. Wichtiger - und besser budgetiert - sind aber andere Dinge, nämlich eine verlässliche Information über das Zielgebiet in Form von Prospektmaterial und Webseite und Marketingbemühungen, um Aufmerksamkeit für das Zielgebiet zu schaffen. Also eigentlich so wies schon immer war

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen